Ausbruch

Liebe Otter Crew, ich möchte heute mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern (mach ich ja selten 😉 ) und mit Euch eine kleine „Zeitreise der beruflichen Träume“ machen. Bock? Auf geht`s!

Die Berufswahl ist etwas so essenziell Wichtiges. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir war das als Kind und auch als Jugendliche nicht so klar. Glücklicherweise ist unsere Wahl ja niemals endgültig, wir können uns immer neu entscheiden. Aber auch das musste ich erst lernen.

In meinem Beitrag „Genie In A Body“ habe ich Euch erzählt, dass ich als Kind Musicaldarstellerin werden wollte und welche Steine sich mir aufgrund einer Autoimmunkrankheit in den Weg gelegt haben. Ärzte sagten mir, dass sich mein Traum vom Leben auf der Bühne niemals erfüllen wird. Anfang der 90er haben sich die Leute wohl nicht so viele Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn man einem kleinen Kind sagt, dass es etwas nicht kann. Für mich war das nicht nur ein Dämpfer, sondern ein Fakt. Denn Ärzte wissen alles und man muss auf sie hören.

Es muss kurz darauf gewesen sein, als mein Bruder (er war da auch erst 7 Jahre alt oder so) mir sagte, dass ich nicht singen kann. Ich hab in meinem Kinderzimmer immer vor dem Spiegel getanzt und gesungen. Das hat ihn wohl irgendwie gestört. Nach seiner Aussage habe ich jahrzehntelang vor keiner Menschenseele mehr gesungen und habe bis heute Schwierigkeiten damit.

Ob ich meine Pläne geändert habe? Klar. Doch es zog sich immer so weiter. Klein Otter will Chirurgin werden: „Da muss man zu lange stehen.“ „Da braucht man ein super Abitur. Du bist zu schlecht in Mathe.“ Ok, dann vielleicht Tierpflegerin? „Auch zu anstrengend. Außerdem verdient man da nix.“

Ich wollte nie in einem Büro landen, ich wollte zeigen, was ich kann. Ich wollte interessante Menschen treffen, Kunst sollte ein Teil meines Lebens sein und ich wollte nicht an mein Zuhause gefesselt sein. Aber man muss vernünftig sein. Deshalb habe ich einen Bürojob gelernt, immerhin in einem Bereich, für den ich mich interessiert habe, das Gesundheitswesen.

Jahrelang war ich immer wieder todunglücklich, das Aufstehen fiel mir schwer, ich konnte nicht abschalten und war immer ausgelaugt. Ich habe es gehasst in einen Rahmen gepresst zu werden, der eindeutig nicht für mich gemacht war. Das soll nicht heißen, dass jeder „normale“ Job Mist ist. Ich hatte durchaus auch Spaß, ich war sehr erfolgreich mit dem, was ich getan habe, hatte keine Geldprobleme und oft ganz süße Kolleg*innen. Es war nur einfach nicht meine Erfüllung.

Doch es war wichtig, all diese Stellen zu durchlaufen, nicht nur auf beruflicher Ebene, sondern auch persönlich. Durch meine Jobs habe ich Menschen getroffen, die ich nicht mehr missen will. Vor allem habe ich aber gelernt, was Druck und Stress zu haben bedeutet. Wie man damit umgeht, wie man möglichst in der inneren Mitte bleibt, wie man streitet, wie man sich behauptet, wie man plant, wie man schnell gute Lösungen findet. Dass man sich nicht alles gefallen lassen muss und dass in den meisten Fällen niemand für Deine Bedürfnisse und Rechte einsteht. Das musst Du selbst können.

All meine Tiefs haben zu einem Punkt geführt, an dem ich mir selbst eingestehen musste, dass – egal, wie oft ich den Job wechsle – ich so nicht glücklich werde. Dass es mir wichtig ist, zu lieben, was ich mache. Ich will mich reinhängen WOLLEN. Keine Zeit verschwenden. Und für diese Erkenntnis hat sich jede einzelne Station gelohnt.

Ich habe mich entschieden, dass ich schreiben möchte. Ich will etwas für die Erde und ihre Bewohner tun. Ich möchte immer Kreativität um mich herum. Am besten alles zusammen. Und während ich auf diesen Traum hinarbeite, darf ich beruflich Menschen, die mir am Herzen liegen, mit meinen Kenntnissen und Stärken unterstützen.

Hier zu landen, hat mich über 10 Jahre gekostet. Ich konnte nie die Sicherheit loslassen. Mir waren meine Träume auch irgendwie peinlich. Ich fühle mich immer noch sehr durcheinander und unsicher, traue meinen Fähigkeiten nicht immer so ganz, habe Angst mich total in einem Wunsch zu verlieren oder nichts zu sagen zu haben. Es gibt aber keine Alternative mehr für mich. Ich will nicht den Trostpreis. „Das wäre Ihr Leben gewesen“.

Die Frage ist: Wo wäre ich, wenn ich statt auf Skepsis und Traumzerstörer auf Bestärkung und Unterstützer getroffen wäre? We`ll never know. Jetzt ist es auch egal 🙂 Ich weiß, dass ich mich durch Scheiße wühlen kann. Ich will es nicht unbedingt, aber ich kann. So wie jeder von uns. Auch die, die manchmal keine Kraft für gar nix haben. Alle, die Lasten mit sich schleppen. Mir ist bewusst, dass ich von Wolke 7 aus viel leichter daran glauben kann, als jemand, der gerade im Das-Schweigen-Der-Lämmer-Verließ sitzt. Da saß ich auch ganz oft und lange. Es braucht seine Zeit dem zu entkommen, aber es geht. Und die Luft wird hier oben immer besser, je mehr Schwere man zurücklässt und sich selbst treuer wird. Wichtig ist es, durchzuhalten, denn natürlich stellen sich ziemlich wahrscheinlich nicht gleich große Erfolge ein. Menschen, die einen unterstützen, sind wichtig. Doch zumindest für mich war es wichtiger, mir ganz sicher zu sein, auch ohne sie den Schritt auf einen unbekannten Weg wagen zu wollen.

In diesem Sinne: Macht, was Euch wichtig ist und richtig erscheint. Ja, vielleicht fallen wir alle damit auf unsere süßen Schnütchen. Zum Glück müssen wir nicht liegen bleiben 😉

Euer Otter

2 Replies to “Ausbruch”

  1. Luke sagt:

    Irgendwie war es spannend mal über deine Berufswünsche zu lesen. Tut mir echt leid, dass du so viele dumme Sprüche abbekommen hast und das in dem jungen Alter in dem man sich leicht beeinflussen lässt. Aber deshalb macht es mich umso froher, dass du etwas gefunden hast, dass dir gefällt :D. Das Fazit am Schluss fand ich auch sehr schön!
    Ich will übrigens mal Mediengestalter (für Bild und Ton) werden, aber ob als Ausbildung, oder als duales Studium weiß ich noch nicht genau. Und ich will auch mal irgendwas mit Musik machen. Egal ob nur für mich und meine Freunde, oder für eine größere Masse Hauptsache noch irgendwas kreatives. 😀

    Schönes Wochenende! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • badassotter sagt:

      Hallo Luke, vielen Dank! Es freut mich sehr, dass Dir der Beitrag gefallen hat ❤ Du hast einen sehr coolen Berufswunsch, der dir bestimmt auch Türen öffnen kann in der kreativen Welt 🙂 Bleib auf jeden Fall dran! Ganz liebe Grüße an Dich!

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