Sag mir, wer ich bin

Kommen wir wirklich als unbeschriebene Blätter auf die Welt? Wird unser Charakter erst ab dem Tag unserer Geburt geprägt?

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wenn ich feststelle, wie viele Eigenschaften in meinen Genen stecken. Dabei frage ich mich, wie groß mein Einfluss auf mich selbst ist, welche Teile meiner Persönlichkeit ich neu entwickelt und welche ich von meinen Ahnen übernommen habe.

Wenn ich Zeit mit meinen Eltern verbringe, kommen wir sehr oft auf die Familie zu sprechen. Auch auf die Mitglieder, die ich nie kennengelernt habe. Ich kann euch sagen: Langweilig war diese Familie nie! 😀

Blöderweise war ich noch zu jung, als ich die Möglichkeit gehabt hätte, mit meinem Opa väterlicherseits über seine Vergangenheit zu sprechen. Meinen Großvater mütterlicherseits durfte ich leider nicht mehr kennenlernen. Doch von meinen Großmüttern konnte ich Einiges aus erster Hand erfahren und feststellen, wie sehr ich ihren jüngeren Ichs ähnle. Mehr als den Standard wollen, reisen, etwas erleben,… beide wollten keine Kinder. Wenn ich höre, dass mein Opa, der im Zweiten Weltkrieg bei der Marine Kampftaucher war, im Laufe seines Lebens irgendwann in einem Büro gelandet ist und sich da nie richtig wohlfühlen konnte, dann erkenne ich mich darin wieder.

Wenn ich mit meinen Eltern über diese bunte Mischung an Leuten rede, fühlt sich mein Blut wie ein wilder Cocktail aus den verschiedensten Leben an. Da gab es die guten Seelen, da gab es die Eskalierenden, die Ruhigen, die Wilden,…. Natürlich haben viele Menschen auf der Welt, die nicht mit mir verwandt sind, Charakterzüge, die ich auch habe. Aber manchmal gibt es so eine ganz spezielle Eigenschaft, die sich wie ein unsichtbares Band in die Vergangenheit erstreckt und mich mit bestimmten Personen meiner Familiengeschichte vernetzt. Ich kann nicht genau sagen woran es liegt, aber das gibt mir ein gutes Gefühl. Vielleicht ist es der Wunsch der Zugehörigkeit, der in diesen Momenten befriedigt wird. Eine Bestätigung vom Universum, „Ja, du hast hier einen Platz“.

Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige Mensch, der Schattenseiten hat. Wesenszüge, die schwierig sind, manchmal nicht nachvollziehbar. Oft habe ich mich schon gefragt, warum ich manchmal so bin, wie ich bin. Wenn ich mich abgrenze, nicht so hilfsbereit bin, wie ich es sein sollte. Wenn ich arrogant werde (ich weiß, kleine Otter Crew, das ist ein schwerer Schock für euch, aber es ist wahr. Ich bin nicht perfekt) . Dann höre ich eine Geschichte über meine Uroma, erfahre etwas aus der Lebensgeschichte dieser Menschen und bin irgendwie beruhigt und erleichtert. Damit will ich nicht sagen, dass jede schlechte oder fragwürdige Eigenschaft damit entschuldigt werden darf, dass sie uns in die Wiege gelegt worden ist 😀

Ich lerne dadurch manchmal sehr viel über meine Ängste, über unangenehme Gefühle, die ich in bestimmten Situationen bekomme, ohne, dass es dafür einen greifbaren Grund gibt. Es ist ja inzwischen erwiesen, dass sich auch Traumata weitervererben können (Epigenetik). Indem ich mehr über meine Familie erfahre, erfahre ich oft auch mehr über mich und profitiere davon. Denn Ängste, die ich als „alte Ängste“, die nicht unbedingt zu mir gehören, enttarne, kann ich schneller verstehen und loslassen.

Kennt ihr das Gefühl der Gegensätzlichkeit in euch selbst? Mir macht das nicht selten zu schaffen. Heute: Rock ’n‘ Roll, Action, keine Regeln, Alkohol, wir leben nur einmal! Morgen: Achtsamkeit, Familienzeit, Sport und gesunde Ernährung. Ich hüpfe meistens zwischen Extremen hin und her. Wenn ich diese ganzen Menschen, von denen ich abstamme, vor meinem inneren Auge aufstelle, fühlt sich diese Gegensätzlichkeit nicht mehr wie eine innere Zerrissenheit an, sondern, als hätte eben jede*r ihren*seinen Senf dazu gegeben.

Und trotzdem ist ja das Tolle an unserem Leben: Niemand zwingt uns immer dieselbe Person zu bleiben, die wir heute sind. Wir sind nicht nur ein Produkt unserer familiären Vergangenheit. Wir haben die Möglichkeit zu sein, wer wir sein möchten und müssen das Steuerrad nicht unseren Genen überlassen.

Wir leben nur einmal (oder?). Wenn das schon so ist, sollen alle wissen, dass wir da waren. Ich hoffe, dass meine Nichte und mein Neffe auch etwas von mir in sich tragen und weitergeben. Am besten meinen Tanzstil. Ich glaube, der wird noch ganz groß in den nächsten Jahren… 😉

Grüße aus der Gegenwart

euer Otter

Eine Antwort zu “Sag mir, wer ich bin”

  1. Ähm, Nein ;-D
    Die Gedanken hatte ich auch eine ganze Zeit und sie wurden mir auch so erzählt.
    Leider waren es eher Beschimpfungen das ich nicht so werden soll um mich nach ihren Wünschen zu formen.
    Es war auch lange ein riesengroßes Problem mit Angst, Panik und Unsicherheit für mich.
    Deshalb habe ich mich auch auf die Suche gemacht um zu verstehen wer ich bin und warum ich so bin.

    Für mich hat sich der Eindruck entwickelt das wir alle gleich sind. Wir sind nur Lebewesen wie alle anderen (Tiere) auch.
    Nur funktioniert unser Gehirn anders.
    Es kann Rückschlüsse ziehen, Zusammenhänge erfassen und versucht sein Leben lang Gefühle und Logik zusammenzubringen.
    Und dadurch orientiert es sich an seinem Umfeld das schon im Mutterleib anfängt,
    Der Rest kommt durch Prägung, Erfahrungen und Lebensumstände.
    Das was wir erfahren und erlebt haben wird zu einem Teil von uns.
    Dadurch das wir meistens in den selben Umfeldern aufwachsen übernehmen wir natürlich das was wir erfahren und lernen.
    Wir werden beeinflusst da wir lernen. Und zwar jeden Tag, so lange wir Leben.
    Aber wir haben alle die selben Emotionen und Reaktionen,
    Verletze ich mich oder komme in eine Situation mit der ich nicht zurecht komme wird jeder traurig.
    Schmerzen tun weh.
    Lachen ist herrlich und gesund.
    Umarmungen tun so unheimlich gut u.s.w.

    Deshalb gibt es die Situationen das sich Menschen in eine sogenannte andere Kultur vollkommen integrieren.
    Deshalb können wir auch andere Menschen verstehen und emphatische sein.
    Da wir alle eine Menge von den gleichen Dinge erlebt und empfunden haben.

    Ich glaube das die Probleme anfangen wenn wir lernen in Rollen zu schlüpfen von denen wir glauben sie wären richtig oder müssten so sein,
    In diesen Momenten kann es sein das wir keine Hilfe oder andere Blickwinkel von außen haben und unser Gehirn diesen Job ganz alleine macht und sich eine Logik zurecht legt.
    Da diese Logik unser Schutz ist kann er Fluch und Segen zu gleich sein.

    Und dann kann es passieren das wir anfangen quer zu Denken und unser Gehirn legt sich auch noch Begründungen dafür fest.

    Die Geschichte lehrt mich das wir Menschen mehr miteinander verbunden sind als wir es Denken wollen,
    Wir leben aber in einer Welt wo das Materielle und das Ego im Vordergrund steht,
    Wir benutzen andere Menschen oder werden benutzt.
    Wir sind gierig nach Anerkennung (der eine mehr oder weniger) und Lob da unser Körper eine chemische Reaktion macht die sich so gut anfühlt,
    Sex ist etwas wundervolles da es eine chemische Reaktion hervorruft,
    Der Kontakt zu anderen Menschen ist nötig für uns da wir nicht alleine Leben können.

    Nur ist die Welt zu einem Ort geworden in dem wir gelernt haben zu beurteilen und verurteilen!

    Und das ganze macht der Mensch von Anbeginn der Periode Homo sapiens,

    Aber das schöne ist das unser Gehirn niemals aufhört zu lernen und neue Blickwinkel zu bekommen.

    Dadurch sind die Wunder in der Menschheit möglich ;-DD

    Habt alle noch viele tolle Momente die das Gefühl von Glücklichsein in Euch hervorrufen.

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