My body, your choice?

Achtung: Absolute Triggerwarnung. Sexuelle Gewalt, Schwangerschaftsabbruch.

Frau*, die: Substantiv, feminin; bezeichnet eine erwachsene Person weiblichen Geschlechts.

Ach, wirklich?

Jedenfalls kann man es so im Duden nachlesen. Schade, dass wir es hier wohl mit einer Fehlinterpretation zu tun haben, denn ich für meinen Teil komme mir eher vor wie ein promiskuitives Objekt, dem es an Intelligenz und der Fähigkeit zur Eigenverantwortung fehlt.

Zum Glück gibt es Menschen, die sich um uns kümmern…

Ja, wir Frauen*… Schandfleck der menschlichen Existenz. Wir gieren immer nur nach Rechten und wollen nicht angemessen dafür zahlen. Dabei dürfen wir doch schon arbeiten und wählen gehen… Ich meine, was wollen wir denn eigentlich noch?

Aktuell lassen wir wieder unserer weiblichen Hysterie freien Lauf, nur, weil Texas ein neues Abtreibungsgesetz verabschiedet hat, dass es den Frauen* dort quasi fast unmöglich macht abzutreiben. Zumindest legal und ohne ihr Leben zu zerstören… Gut so, oder? Wer sind wir denn, dass wir jetzt noch über Leben und Tod entscheiden möchten… Das darf nur der liebe Herr im Himmel. Mädels, wir sollten uns einfach ein paar Schuhe kaufen und mal wieder runter kommen.

„Ungewollt schwanger werden“, dass ich nicht lache! Jede* von uns ist ja wohl in der Lage sich ordentlich anzuziehen und einfach mal die Beine geschlossen zu halten! Die armen Männer* wissen jetzt echt bald nicht mehr, was sie noch dürfen und was nicht. Wie verängstigte kleine Rehe sitzen sie jetzt in den Clubs und überlegen, warum ihr Recht uns zwischen die Beine zu fassen so brutal beschnitten wird. Dick Pics sind ihre Form der Kunst, die Autohupe ihr Sprachrohr in unsere Herzen. Es ist ihnen so wichtig, uns ihre Bewunderung ins Hirn zu pflanzen, dass sie uns nachrufen und sich sogar die Mühe machen, uns zu verfolgen. Manchmal brauchen sie auch Unterstützung einer ganzen Gruppe dafür. Was ein Aufwand… und wir nennen es abfällig „Catcalling“, „Belästigung“,… Wenn wir so etwas einfach ignorieren, ist es doch nur super lieb von unseren männlichen Mitbürgern, dass sie uns eben manchmal zu unserem Glück zwingen…

Manchmal entsteht daraus sogar ein neues Leben. Passiert! Nun ist es doch nur anständig von uns, den Erzeuger zu fragen, was wir tun sollen. Schließlich ist es auch sein Verdienst! Körperliche und mentale Gesundheit, Karriere, Lebenspläne,… Wozu brauchen wir das, wenn wir doch ein Baby in die Welt setzen können! Ist das nicht unser einziger Zweck? Das arme kleine Häufchen Unschuld, das wir in uns tragen bedeutet unser Leben. Wir sind sein Brutkasten, das sollte uns genügen.

Warum also diese Diskussionen um Paragraphen, wie $ 219a StGB in Deutschland, um das Abtreibungsgesetz in Polen oder Texas?

WEIL ES UNSERE KÖRPER SIND! Okay, Schluss mit Sarkasmus. Ganz egal, unter welchen Bedingungen eine Frau* schwanger wird, es bleibt ihr Körper, das Zuhause ihrer Seele. Ihrer allein.

Lese ich Kommentare von Abtreibungsgegner*innen, frage ich mich wirklich, ob ich als Frau überhaupt als Mensch wahrgenommen werde. Habe ich ein existierendes Recht auf Unversehrtheit? Auf Selbstbestimmung? Können wir bitte endlich ein für alle Mal klarstellen, dass NIEMAND zum Spaß schwanger wird und dann dämlich grinsend voller Vorfreude das aktuellste Schnäppchen-Prospekt für Abtreibungen durchblättert, um dann fröhlich zur nächsten Praxis zu hüpfen? Das ist nämlich nicht angekommen, offensichtlich. Genauso wenig die Gründe dafür, diese Entscheidung straffrei den Frauen* selbst zu überlassen. Reminder: Es nennt sich „Menschenrechte“. Schon mal gehört, oder?

Leben ist schützenswert, Leben ist kostbar! Doch das, was in einer schwangeren Frau* heranwächst, ist in den ersten Wochen nicht überlebensfähig, ohne den Körper der Mutter. Ich entschuldige mich dafür, dass ich es jetzt so nenne, denn ich weiß selbst, dass es sich auch schon ganz am Anfang einer Schwangerschaft anders anfühlen kann… Doch es ist eine Ansammlung von Zellen. Ja, sie können zu einem gesunden, tollen Menschen heranwachsen. Können… Aber Frauen*, denen das Recht auf ihren Körper und ihr Leben genommen wird, können auch etwas, nämlich daran kaputt gehen. Diese Frauen* haben bereits ein Leben, sie möchten die Verantwortung für sich tragen und sie können es vor allem auch! Wir sind denkende, fühlende Menschen. Wir sind nicht weniger Wert, als alle anderen und wir sind auch nicht weniger Wert als eine ungewollte Schwangerschaft.

Wo ist das Gerede um „pro life“, wenn es um Tiere geht, die tagtäglich durch Menschenhand zu Tode gequält werden, weil ein Steak halt schmeckt? Ach ja, stimmt. Das ist was anderes! Sorry, da spricht wohl wieder mein proteinfreies Veganerhirn.

Menschen, die keinen Uterus in sich tragen, haben kein Recht über diesen Körperteil zu entscheiden. Schon gar nicht über Uteri anderer Personen. Die Zeit, Frauen zu hören, zu respektieren und ihre Leben ernst zu nehmen, ist längst überfällig. Aber schaut in die Welt…

Nein, wir sind nicht zufrieden. Ja, wir wollen mehr. Wir wollen als gleichberechtigt gesehen und behandelt werden. Wir wollen die alleinige Kontrolle über unser Leben und unseren Körper. Solange das nicht so ist, werden weiterhin Schwangerschaftsabbrüche durch Frauen* selbst unter brutalen Schmerzen und großer Gefahr für das eigene Leben durchgeführt. Wir bekommen weiterhin das Gefühl vermittelt, selbst an Vergewaltigungen schuld zu sein. Als Frau* gibt es Situationen, in denen man sich komplett unsichtbar und wertlos fühlt. Spätestens ab einer Schwangerschaft kann man das Gefühl bekommen, kein Recht auf den eigenen Körper zu haben. Als wäre die Kontrollübernahme vorprogrammiert. Das muss aufhören. Gesetze, wie das aktuellste aus Texas, tragen gar nichts zur Lösung dieses Problems bei. Egal, ob es unser Strafgesetzbuch in Deutschland ist oder irgendein anderes auf der Welt: Das geht uns alle etwas an und wir müssen für die unumstößliche Gleichberechtigung jedes Menschen kämpfen. Frauen* ihre Körper zuzugestehen ist ein Schritt, der gegangen werden muss. Der Abbruch einer Schwangerschaft ist kein Mord. Er kann unter Umständen mindestens ein Leben retten.

Männer* haben auch Probleme, ja. Männer* können genauso unter Sexismus, häuslicher Gewalt, etc. leiden, wie Frauen*. That`s not the point! Wir müssen aufhören zu messen, wer am meisten worunter leidet und das total aus dem Zusammenhang gerissen immer wieder einzuwerfen. Frauen* WISSEN, dass Männer* auch unter ähnlichen Problemen zu leiden haben. Aber das macht es doch nicht besser! Dadurch verschwinden unsere Probleme nicht! Und Schwangerschaft betrifft eben wirklich nur Frauen*, das ist ein Fakt.

Du möchtest Kinder? Go for it! Für alle, die kein Englisch können: „Pro Choice“ bedeutet nicht „Lasst uns alle Kinder töten“. Es bedeutet einfach nur „für die Wahl“. Egal, wie sie ausfällt.

Solange wir also noch im Nebel des verkorksten Frauenbilds leben, sollten wir die Definitionen im Duden vielleicht nochmal überarbeiten:

Frau*, die: Substantiv, feminin; bezeichnet ein weibliches Vergnügungs-Objekt, das es zu kontrollieren gilt.

Der Otter

One Reply to “My body, your choice?”

  1. dragonignis sagt:

    Wahre Worte.
    Jeder Schritt zählt.
    Solange Menschen andere Menschen als Besitz ansehen und über sie bestimmen, läuft etwas verkehrt in dieser Welt.

    Gefällt 1 Person

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