Eigentlich, wenn, vielleicht,…

Einen Job annehmen, weil er sicher ist oder weil er irgendwie cool sein könnte… Das habe ich über viele Jahre gemacht. Die wenigsten Menschen wissen sofort, was sie nach der Schule machen wollen. Ich mochte schon die Schule nicht, also surprise! Die Berufswahl fiel mir schwer. So gurkte ich erstmal von einer Station zur nächsten und landete lustigerweise ziemlich schnell dort, wo ich heute wieder bin. Wie ist das passiert? Mein Berufshirn und seine Gedanken, chronologisch sortiert:

2007:

Eigentlich will ich ja schon sowas mit Musik machen. Sowas mit Kunst und Kreativität. Eigentlich will ich ja schon mal was von der Welt sehen. Eigentlich will ich Rock’n’Roll, Party Party und Skandal. Lautstärke, bis das Hirn platzt. Eigentlich will ich ja schon mal wissen, was in diesen geheimen Backstages abgeht.

2009:

Bandshirts verkaufen. Jap, das kann ich. Das mach ich. Das wird gut.

2010:

Eigentlich hasse ich es zu verkaufen. Eigentlich ist das auch alles nicht so spannend. Es ist anstrengend, weniger lustig als gedacht und irgendwie ja auch gar nicht Ich. Eigentlich brauche ich doch auch mal ein bisschen Sicherheit. Eine ordentliche Ausbildung und money money…

2011:

Auf ins Gesundheitswesen, auf ins Management. Das ist gut. Menschen werden immer krank. Menschen mögen mich. Ich kann helfen. Allen. Auch mir selbst. Lotterleben? Never again. Mein neuer Posten. Mein Platz. Hier richte ich mich ein.

2013:

Eigentlich ist das alles schon ganz schön zäh. Irgendwie macht mir alles hier Bauchschmerzen. Ich kann das aber gut. Es muss Spaß machen.

2015:

Macht es nicht. Und irgendwie… bin das ja auch gar nicht Ich. Aber jetzt bin ich eben hier.

2019:

Eigentlich will ich ja schon sowas mit Musik machen. Sowas mit Kunst und Kreativität. Eigentlich will ich ja schon mal was von der Welt sehen…

2021:

Und hier bin ich, über 10 Jahre später. Genau da, wohin ich nie mehr wollte. Fast dieselben Leute, fast derselbe, kalte Proberaum. Aber irgendwie auch alles anders. Nein, ich verkaufe keine Shirts mehr. Ich versuche Unsortierbares zu sortieren, Sonnenschein in sture Gesichter zu schleudern, bis sie sich ergeben. Oder schmelzen. Ihre Entscheidung. Ich versuche eine neue Sprache zu entschlüsseln. Ich kann helfen. Allen. Auch mir selbst.

Die Band, die Firma, das Bermudadreieck der Seelen. Wenn sie dich einmal haben kommst du nie wieder raus. Okay. Ich bin dabei. Auf eigene Gefahr, mehr oder weniger freiwillig. Ich kann das. Menschen mögen mich. Künstler auch. Hier richte ich mich ein. Wir haben einen neuen Pakt geschlossen.

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